Der SpediFux-Trendreport Logistik 2022

März 2022 | spedifux.ch

Der Einfluss der Pandemie auf die globale Wirtschaft war auch 2021 deutlich spürbar. Ausserdem litt die europäische Transportbranche unter den Folgen des Brexits. Derweil bieten technologische Innovationen aussichtsreiche Möglichkeiten für die Zukunft. Mit unserem Trendreport Logistik blicken wir für Sie auf die Entwicklungen des vergangenen Jahres und wagen einen Ausblick auf die Trends in 2022.

Der SpediFux-Rückblick 2021

Lieferengpässe, Rohstoffmangel, Warenrückstau: Seit nunmehr zwei Jahren leidet unsere globalisierte Wirtschaft unter den Auswirkungen der Coronapandemie. Die Erfahrungen der vergangenen Monate zeigt, wie sehr geschlossene Grenzen und gestörte Lieferketten sich auf die Welt der Logistik auswirken. Politische Entwicklungen und Unglücke erschwerten es der ohnehin angeschlagenen Transportbranche zusätzlich. Der Rückblick auf 2021 bietet folglich nur wenig Gutes.

Schrecken vorerst ohne Ende: CoVid-19 und die Globalisierung

Das Virus verursacht in fast allen Lebensbereichen nach wie vor enorme Schwierigkeiten. So auch in der Logistik: In vielen Häfen und Verkehrsknotenpunkten weltweit lahmt das Transportnetz noch immer. Zwar hat sich die Situation im Vergleich zu 2020 etwas stabilisiert. Die Folgen der Waren- und Rohstoffengpässe werden uns aber noch jahrelang begleiten.

Goodbye, Great Britain: Stillstand am Kanal nach den Wirren des Brexits

Daneben führte auch der Brexit zu teils unvorhersehbaren Komplikationen Diverse Spediteure haben sich vorerst aus dem Geschäft mit den Inseln zurückgezogen. Import- und Zollverfahren sind seither erschwert, vielerorts mangelt es an Personal und Fachkenntnis. Damit erschwert sich der Handel mit einer der weltweit grössten Volkswirtschaften für viele Unternehmen. Das Ausscheiden der Briten aus dem europäischen Binnenmarkt wird noch länger seine Spuren hinterlassen.

Stau im Suezkanal: Die Havarie der Ever Given

Im März sorgte die Havarie der Ever Given im Suez-Kanal für eine tagelange Blockade des Suezkanals. An diesem Nadelöhr des weltweiten Warenverkehrs stauten sich mehrere hundert Schiffe, die ihre Fahrt zum Teil erst nach Wochen wiederaufnehmen konnten. Die Verzögerungen infolge des Unfalls verursachten Schäden in Höhe von täglich etwa 9 Mrd. US-Dollar. Auch hier kam es zu schwerwiegenden Verzögerungen durch Mangel an Rohstoffen und Zwischenprodukte. 

Ein Jahr zum Vergessen? Das lehrt uns 2021

SpediFux hat diese Entwicklungen intensiv verfolgt und daraus Schlüsse gezogen. Unsere Prognosen für die Logistikbranche lauten:

  1. Wir gehen davon aus, dass europäische Unternehmen angesichts der Erfahrungen aus 2021 wieder auf kürzere Transportwege setzen. Fertigungsprozesse, die aufgrund niedriger Produktionskosten oftmals nach Asien outgesourct sind, dürften deshalb zukünftig verstärkt in benachbarte Länder verlegt werden (nearshoring). Damit sinkt zwar tendenziell die Gewinnspanne, gleichzeitig werden jedoch Risiken durch Engpässe minimiert. Auch der Trend möglichst geringer Lagerbestände und just-in-time-Fertigung wird voraussichtlich einen Dämpfer erfahren.
  2. Die Folgen des Brexits werden auf dem europäischen Binnenmarkt und darüber hinaus noch lange spürbar sein. Der Handel mit den Inseln ist für viele Unternehmen aufwendiger geworden, was zu einem Rückgang im Warenverkehr führt. Dennoch zählt die britische Volkswirtschaft zu den grössten der Welt und bleibt aus europäischer und globaler Sicht bedeutend. Hier bietet sich eine Nische für spezialisierte Spediteure mit langjähriger Erfahrung und den entsprechenden Kapazitäten. Das hat seinen Preis. Transporte über den Ärmelkanal werden voraussichtlich kostenintensiver.

  1. Digitale Lösungen und autonome Technologien werden noch stärker in bestehende Transportnetze integriert. Der Trend zur Hightech-Aufrüstung ist nicht neu. Allerdings wird die Umstellung in der Branche unter den Eindrücken der Pandemie und des vergangenen Jahres voraussichtlich beschleunigt. Erhebung, Auswertung und Analyse enormer Datenmengen durch intelligente Programme erlauben flexibles und schnelleres Reagieren auf Probleme wie etwa bei der Havarie der Ever Given. Somit wird Logistik durch fortschreitende Digitalisierung allgemein resilienter und zuverlässiger.

Die Logistiktrends 2022

Die Begriffe Digitalisierung, Automatisierung und Nachhaltigkeit sind in der Transportbranche seit Längerem in aller Munde. Auch 2022 sind sie die wichtigsten Themen der Logistik. 

Autonome Fahrzeuge, Drohnen, Künstliche Intelligenz: Die Entwicklung geht weiter

Der Traum von vollautomatischen Lieferungen besteht fort. Seien es autonome Transportfahrzeuge oder Lieferungen per Drohne vor die Haustür: Der Vorstellungskraft scheinen keine Grenzen gesetzt.

Nach wie vor arbeiten Branchengrössen an hochtechnisierten Transportnetzen für gesteigerte Effizienz und Kostenminimierung. Optimale Lagerhaltung und Lieferstrecken werden schon heute von intelligenten Algorithmen berechnet.

Vollautonome Transporte vom Lager bis vor die Tür liegen dennoch in ferner Zukunft. 2022 steht vor allem im Zeichen der technologischen Weiterentwicklung. Es gilt weiterhin, die Möglichkeiten von Innovationen zu analysieren und stets auf dem Laufenden zu bleiben.

Klima und Umwelt: Nachhaltigkeit ist aktueller denn je

Wie kaum ein anderes Anliegen bestimmt Nachhaltigkeit inzwischen den Diskurs in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Die Logistikbranche ist sich ihrer Rolle als klimaintensive Branche bewusst und arbeitet kontinuierlich daran, ihren ökologischen Fussabdruck zu reduzieren. Dabei helfen sowohl technologische Verbesserungen als auch generelles Umdenken. So setzen umweltbewusste Transportunternehmen stärker auf Schienenverkehr und alternative Transportmittel (So reduziert Spedifux seinen Fussabdruck). 

Emissionen lassen sich nicht völlig vermeiden. Die Kompensation der eigenen CO2-Bilanz bietet aber einen Weg für verantwortungsbewusste Transportdienstleister, an einer grüneren Zukunft mitzuwirken. Dafür gibt es inzwischen zahlreiche und sinnvolle Modelle. Daher arbeiten wir bei SpediFux inzwischen vollständig klimaneutral, wie man bei ClimatePartner verfolgen kann.

Kaufentscheidungen und wirtschaftliches Verhalten von Verbrauchern werden immer stärker von Themen wie Nachhaltigkeit und Fairness beeinflusst. Somit profitiert neben der Umwelt auch die Branche von einer grüneren Ausrichtung.

Transparenz: Wissen, was dahintersteckt

Aus den genannten Veränderungen ergibt sich der Bedarf nach möglichst genauen und übersichtlichen Informationen zu Produkten und Dienstleistungen. Das gilt auch für die Welt von Logistik und Transport.

Ob Live-Tracking, Klimaranking oder smarter Preisrechner bei der Buchung: Transparenz liegt im Trend und macht sich bezahlt. Klar im Vorteil liegt hier, wer digitale und einfach zu bedienende Konzepte anbietet. Auf komplizierte Geschäftsmodelle und Kleingedrucktes sollte man angesichts allgemeiner Verfügbarkeit und Vergleichbarkeit von Informationen im digitalen Zeitalter verzichten.

Die Herausforderungen von gestern treiben die Trends von morgen

Das vergangene Jahr war für die Transportbranche mehr als durchwachsen. Nun gilt es, den Blick nach vorne zu richten. Die Pandemie und politische Krisen werden weiterhin für spürbare Turbulenzen in globalen Lieferketten sorgen. Kaum passt sich die Weltwirtschaft an die neuen Bedingungen an, stehen mit der Ukraine-Krise und der Entwicklung der Energiepreise die nächsten großen Herausdorferungen für das Jahr 2022 und darüber hinaus vor der Tür.

Wer sich auch in Zukunft am Markt behaupten will, lernt aus der Vergangenheit. Die Logistiktrends 2022 sind wenig dabei überraschend. Dennoch gilt es mehr denn je, flexibel auf Veränderungen reagieren zu können. Deshalb sind digitale und nachhaltige Ansätze die beste Antwort auf die kommenden Herausforderungen von Klimawandel, Pandemie und politischen Krisen.